Mond Licht Spiritualität

So will ich leben

Das Rollo im Schlafzimmer war neulich abends noch oben – warum auch immer. Sonst fährt es runter, wenn es dämmert. Draußen peitschte das Wasser aus tiefschwarzen Wolkenbergen. Die Straßenlampe verströmte mattoranges Licht, das der Regen aufsog und nahezu verschluckte. So groß waren die Tropfen, dass sie noch einmal hochsprangen, nachdem sie auf den Asphalt geprallt waren. Sie sammelten sich im Rinnstein und ihr kräftiger Strom strebte dem Ablauf zu. Pappeln und Birken auf der anderen Straßenseite winkten mit ihren langen Armen so heftig im Wind, als würden sie gleich ihre Balance verlieren und sich zu den anderen Bäumen legen, die nun wilden Tieren Unterschlupf boten. Ich starrte in die Nacht, hob die Augen zu den Wolken, die quollen, wogten, weiterflogen.

War dahinter ein heller Fleck?

Ich konnte mich nicht bewegen, starrte dorthin, fixierte ihn, fragte mich, ob wir uns wohl näherkommen könnten, er und ich und, als ob er auf mein Hinstarren reagieren würde, wurde dieser kleine Fleck immer weiter, er schob die Wolken beiseite, erst konnte ich den einen Rand, dann den anderen erkennen, meine Augen weiteten sich, eine ganze Weile stand ich so da – bewegungslos.

Der Mond, der volle Mond, leuchtend, ein bisschen blass,
aber doch deutlich zu sehen,
scharf umgrenzt mit einem hellen Hof, schaute auf mich herab.
Stumm sahen wir uns an. Heftig pochte mein Herz.

Dann schob sich das Schwarze wieder vor und es war vorbei.
Gewöhnlich wurde der Abend nicht mehr. Ich fühlte mich geliebt.

Tags darauf wurde mir schlagartig klar:
So will ich leben, immer, nicht nur in diesem einen Moment:
Wissen, dass eine Kraft, die größer ist als Erde, Mond und alle Sterne,
mich liebevoll anblickt, dass sie nicht nur in mir ist,
sondern dass sie alles umfängt, alles durchdringt,
was war, was ist und was jemals sein wird.
Dass ich nicht herausfallen kann aus dieser Liebe
und dass ich sie nicht verdienen muss.
Diese Gewissheit weitergeben,
diese Liebe durch mich fließen lassen,
so will ich leben, jeden Atemzug.

Mond Licht Spiritualität

© Jutta Hajek

Weiterlesen

  • Wie wir gut aus einem Tief kommen

    Das Leben wirbelt uns durcheinander. Keine und keiner bleibt verschont. Gefühle von Traurigkeit und Resignation machen das Herz schwer. Es ist wichtig, die Trauer zu fühlen und ihr Raum zu geben – Trauer über den Tod von Menschen, die uns nahestanden; über Pläne, die wir aufgeben mussten; über Beziehungen, die nicht hielten. Jeder geht anders damit um. Die folgenden Strategien helfen, ein Tief gut zu überwinden.

    mehr erfahren
  • Ein starker Antrieb: die Freude

    Die Freude ist eine Urkraft, die sich Bahn bricht, immer wieder, auch ohne äußeren Grund. Sie sprudelt, will ausgedrückt und geteilt werden. Nun ist es aber gerade nicht so, dass wir reichlich Gründe zur Freude haben. In unserer eigenen kleinen Welt sind liebe Mitmenschen oder wir selbst krank, ohne Arbeit oder schon älter und dadurch eingeschränkt. In der großen Welt, nicht weit weg, herrschen Krieg, Hunger und Armut. Täglich sterben mehr als 150 000 Menschen auf diesem Planeten. Wie sollen wir uns da freuen? Und warum? Was geschieht, wenn wir Freude teilen? 

    mehr erfahren
  • Sich auf der Schwelle des Augenblicks niederlassen

    Wie mehr Präsenz das Leben verändert Im gegenwärtigen Moment sein – jetzt in dieser Sekunde – nicht schon gedanklich ein paar Schritte weiter; genau an dem Ort, an dem ich in diesem Augenblick körperlich bin; bei dem Menschen, dem ich gerade gegenübersitze; bei der Sache, an der ich gerade arbeite. Wollen wir das nicht alle? … mehr lesen

    mehr erfahren

Regelmäßig versende ich einen Newsletter.
Sie können ihn hier abonnieren:

Regelmäßig poste ich Fotos und kurze Texte auf facebook und instagram. Hier gelangen Sie zu meinen beiden Profilen: